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Einführung

Bei der Bauplanung- und ausführung des Max-Ernst-Gymnasiums wurde neben Zeugnissen des Wirkens von Max Ernst auch die künstlerische und historische Tradition Brühls und des Rheinlandes berücksichtigt. Davon legen eine ganze Reihe hervorragend gearbeiteter Steinabgüsse Zeugnis ab, die im ganzen Haus verteilt in die Gebäudesubstanz eingearbeitet oder im Eingangsbereich auf dem Hof aufgestellt sind. Sie spiegeln einen Zeitraum von der Antike über das Mittelalter bis zur frühen Neuzeit (Passionskreuz aus Brühl Eckdorf) wider und erfreuen besonders die Historiker im Hause, denn sie können in vielfacher Weise durch Abwechslung und Anschauung den Unterricht bereichern.

Im folgenden möchten wir Ihnen diese Zeugnisse vorstellen und wünschen bei der Lektüre und Betrachtung der Abbildungen viel Freude. Die folgenden Ausführungen wurden verfasst von Dr. Ladage, die Fotos bereitgestellt von Herrn Rohde, erstgenannter ehemaliger, letzterer gegenwärtiger Geschichtslehrer am MEG. Wenn Sie die Bilder anklicken, erhalten Sie ein neues Fenster mit einer hochauflösenden Version zur Ansicht.

Grabstein des Marcus Caelius

Kalkstein
Fundort: Zwischen Xanten und Birten am Fuße
Des Fürstenberges schon vor 1630 gefunden.
Datierung: kurz nach 9 n.Chr.
CIL XIII 8648, R.R. A 127

Rechteckige Platte mit Brustbild des Toten und Büsten seiner beiden Freigelassenen auf Sockeln in einer aus Pilastern und rankenverziertem, von Akroterien gekröntem Giebel gebildeten Nische. Darunter in einer Umrahmung die Hauptinschrift:

M(arco) Caelio T(iti) f(ilio) Lem(onia tribu) Bon(onia) / [(primo)] o(rdini) leg(ionis) XIIX
(duodevicesimae), ann(orum) LIII (quinquaginta trium) s(emissis), / [oc]cidit) bello Variano,
ossa / […i]nferre licebit. P(ublius) Caelius T(iti) f(ilius) / Lem(onia tribu) frater fecit.

Dem Marcus Caelius, Sohn des Titus von der Tribus Lemonia aus Bononia (Bologna) /
Centurio ersten Ranges der 18.Legion, 53 ½ Jahre alt./ Er fiel im Krieg des Varus. Die Gebeine / (des Centurio selbst oder seiner Freigelassenen) dürfen (in diesem Grab) beigesetzt werden. Der Bruder Publius, Sohn des Titus / von der Tribus Lemonia hat (das Grabmal) herstellen lassen.
Die Nebeninschriften auf den Sockeln der Freigelassenen lauten: M(arcus) C(aelius) / M(arci) l(ibertus) / Privatus bzw. Thiaminus.
Die beiden Freigelassenen haben die tria nomina (die drei Namen): praenomen und genticilium ihres Patrons und als cognomen ihren alten Sklavennamen.

Marcus Caelius wird durch die Vitis (den Rebstock) in seiner Rechten eindeutig als Centurio ausgewiesen. Er ist anscheinend sitzend dargestellt in der Tunica, die unter dem Lederkoller (Lorica) herauskommt, und im Kriegsmantel (Sagum), der über der linken Schulter und in seiner Hand sichtbar wird. Seine Auszeichnungen sind zwei Armillae (an den beiden Handgelenken), zwei Torques, die er an einer Schlaufe um den Hals trägt, und sieben Phalerae (fünf auf der Brust, zwei auf den Schultern). Auf dem Kopf trägt er die Corona aus Eichenlaub (ursprünglich eine Auszeichnung für die Errettung eines römischen Bürgers aus Lebensgefahr).
Einziges ausdrückliches Zeugnis, dass zu den drei im Teutoburger Wald vernichteten Legionen auch die 18. Legion gehörte.

Pertinax-Stein

Pertinax-Stein

Fundort: Brühl
Fundjahr: 1959
Fundumstände:
Gefunden in fast 4 m Tiefe beim Kanalbau in
sekundärer Verwendung als Oberhälfte eines
Sarkophags; die Unterhälfte wurde aus dem
gleich großen Stein ID 643 hergestellt. Die
Umarbeitung erfolgte nach Steinsplittern im Grab
wohl vor Ort.
Inschriften Typ: Ehreninschrift
Material: Kalkstein

Beschreibung:
Rechteckiger Inschriftenstein mit nischenförmiger Aushöhlung. Unten abgebrochen. In Zweitverwendung als Sarkophagdeckel genutzt. Aufgrund der Maße des Steins wohl ursprünglich Verkleidung eines Statuenpodestes. Sehr qualitätvolle Schrift. Reste roter Farbe in den Buchstaben (nach einer handschriftl. Notiz in dem Band der Bonner Jbb. im RLM Bonn (Tholen) von Schulkindern während einer Grabungspause angemalt!). Auf der linken Seite ca. 6 cm bei der Zweitverwendung abgemeißelt. Somit Verlust von einem Buchstaben pro Zeile.

[P]ublio Helv[io Pertin]aci / [e]q(uo) p(ublico) p[raef(ecto) coh(ortis) IIII] Gal/[l]or(um) e[q(uitatae)] trib(uno) leg(ionis) VI Vi]ct(ricis) / [p]rae[f(ecto) coh(ortis) I (?) Tungr(orum) pr]aef(ecto) / [a]lae [ - - - p]ro/[c]ura[tori ad alime]nta / [p]rae[f(ecto) class(is) Germ(anicae) pr]oc(uratori) / [A]ug(usti) a[d ducena III Dac(iarum) i]dem / M[oesiae super(ioris)] / Agr[ippinense]s / [publice]

Übersetzung:
Für Publius Helvius Pertinax, Besitzer des Staatspferdes, Präfekt der 4. teilberittenen Gallierkohorte, Tribun in der 6. Legion Victrix, Präfekt der 1. Tungrerkohorte, Präfekt der - - - Ala, Prokurator für die Getreideversorgung in der Stadt Rom, Präfekt der Flotte in Germanien, Prokurator mit einem Gehalt von 200.000 Sesterzen der drei dakischen Provinzen und von Obermoesien, errichteten die Kölner aus öffentlichen Mitteln (diese Statue).

Kommentar:
Die Inschrift gehörte zu einer Ehrenstatue für den späteren Kaiser Pertinax. Die Identifikation des Kaisers ist sicher, da seine Laufbahns durch SHA Pertinax 1,5ff. überliefert ist. Die Statue war wohl auf einem öffentlichen Platz in der Stadt oder im Flottenlager aufgestellt. In der Spätantike wurde sie nach Brühl verschleppt und zu einem Sarkophag umgearbeitet. Nach Münzen, die man im Sarkophag fand, könnte dies um 270/280 n.Chr. erfolgt sein. Die Inschrift wird oben mit den Auflösungen Kolbes angegeben. Unklar bleibt in Z. 5, ob Pertinax in Britannien Befehlshaber der ersten oder der zweiten Tungrerkohorte war (beide "milliariae"), nachdem er seinen Legionstribunat wohl bei der 6. Legion in York verbracht hatte. In Z. 6 ist der Name der "ala" verloren, die unter seinem Befehl stand (nach SHA Pertinax 1,5ff. in Moesien). Die Alimentarprokuratur bekleidete er für den Bezirk an der "via Aemilia", aber schon ein Jahr später wurde er nach Köln an die Spitze der germanischen Flotte gestellt, von wo er - ebenfalls schon nach knapp einem Jahr - unter Verdopplung seines Gehaltes in die beginnenden Markomannenkriege abkommandiert wurde. Die Inschrift und die Statue waren sozusagen das Abschiedsgeschenk der Kölner an den höchsten ritterlichen Beamten in der Stadt.
Literatur:
AE 1963, 52; W. Haberey, Spätrömische Gräber in Brühl, BJb. 162, 1962, 397ff.; H.-G. Kolbe, Der Pertinaxstein aus Brühl bei Köln, BJb. 162, 1962, 407ff. mit Tafel 4; SH Nr. 171;

Quelle: Kölner Inschriften Datenbank
www.rid24,de/rgm/upload/04.php?id=642

Grabmal eines Reiters

Kalkstein
Fundort Köln, 1.Jh.(?)

In einer bogenförmigen Nische unter schnecken-
förmigen Ornamenten ist ein Reiter ohne Gegner
dargestellt. Er ist ausgestattet mit einer Lanze, dem
Ovalschild (parma), dem Langschwert (spatha)
sowie dem Reiterhelm. Auch das Sattelzeug ist gut
herausgearbeitet.
Das Vorbild für die Darstellung dieses Kavallerie-
soldaten stammt wohl von griechischen Modellen
der hellenistischen Epoche.

Mahlrelief / Reiter mit Pferd

Vom Ende des 1. Jh. n.Chr. bis in das 2. Jh. hinein hat man in den germanischen Provinzen, besonders im Kölner Raum viele Grabsteine auf Soldatengräbern mit der Darstellung eines Mahles versehen. Der Verstorbene liegt wie zu Lebzeiten auf einen Ruhebett (sog. ), hat den linken Arm aufgestützt und dreht den erhobenen Oberkörper nach vorn, während er in der rechten Hand ein Trinkgefäß hält. Vor ihm sind auf einem Tischchen zahlreiche Speisen und Getränke aufgebaut. Diese Mahlreliefs sind nicht Spiegel des Lebens der einfachen Soldaten, sondern sie sollen Statussymbole der Oberschicht vermitteln.

In der Darstellung darunter führt ein Reitknecht das gesattelte Pferd des Verstorbenen als Nachweis seiner Funktion am Zügel. Diese Verbindung war offenbar nur im Dienst verstorbenen Alen- und Kohortenreitern vorbehalten.




Giebel eines römischen Grabmals

In der Mitte eine Götterdarstellung. In den Ecken Seewesen: vermutlich eine Andeutung des Weges des Verstorbenen zu den Inseln der Seligen.

Grabmal für zwei Gladiatoren

RGM (Insel 21)
Teil eines Grabmals, dessen oberer Teil aus einer von zwei Löwen flankierten Sphinx bestand. Darunter befand sich die Inschrift: „Dem Aquilo, des Caius und des Marcus Freigelassenem. Hier ist er begraben. Seine Patrone ließen (den Grabstein) machen. Und für den Freigelassenen Muranus“.(AE 1941,87)

Die Darstellung zeigt beide Gladiatoren in der Ausrüstung als „Samniten“ mit typischem Federbusch-Helm, Kurzschwert und eckigem Schild.

Fragment eines Steinpfeilers für Jupiter

und andere Gottheiten

Mit Jupiter werden verehrt: Juno, Victoria und Mars, Minerva, Sol und Fortuna, Ceres, Vulcanus und Venus
Hier sind Juno, Victoria (mit Flügeln) und Mars (mit Helm und Lanze) wiedergegeben.

Relief der Nehalennia

Kalkstein, RGM
Fundort Köln, 1.Hälfte 3.Jh.

Die Göttin thront in einer konchenartigen Nische auf
einem hohen Lehnstuhl. Sie trägt den langen, über der
Brust mit einer Fibel zusammengehaltenen Mantel und
den Halsschmuck in Mondsichelform der Matronen-
gottheiten. Ihr Haupt ist jedoch unbedeckt. In ihren Hän-
den auf dem Schoß eine Früchteschüssel, an ihrer Seite
zu den Füßen ein Hund.
Am Niederrhein verbreitete Schutzgöttin der Händler
zwischen dem römischen Germanien und Britannien.
Quelle: RR (a.O.) A 94

Bildstein von Niederdollendorf

Fränkischer (?) Grabstein aus dem 6./7.Jh. / RhLM Bonn
1901 auf dem Gelände einer Ziegelei ausgegraben.

Der Stein hat zwei Bildseiten und ist an den Seiten mit runenähnlichen (?) stufenförmigen Bändern bzw. mit Schlangendarstellungen (Hinweis auf die Unterwelt ?) verziert.
Die Bildseiten zeigen einmal einen bärtigen kahlköpfigen Mann in einem langen Gewand, dessen rechte Hand etwas an seinen Kopf hält. Mit der linken Hand berührt er den Sax, ein germanisches Hiebmesser, am Ende der Scheide. Drei Schlangen winden sich um Kopf und Oberkörper des Mannes. Zu seinen Füßen (in großen spitzen Schuhen) befindet sich eine Feldflasche, auch als Pilgerflasche gedeutet, die auf eine Reise hinweist.
Die andere Seite des Bildsteins zeigt ebenfalls einen Mann vor einem Strahlenkranz und mit einem Speer in der rechten und dem Sax (?) in der linken Hand.
Der äußerlich sehr gut erhaltene Stein zeigt keine Verwitterungserscheinungen. Er hat also nicht lange gestanden und ist sehr bald vergraben worden.

Die Deutungen gehen sehr weit auseinander: Üblicherweise wird der Stein für das Grabmal eines germanischen Kriegers gehalten. Der Gegenstand in der rechten Hand wird als Kamm gedeutet, wobei auf die Haare als Zeichen der Stärke angespielt werde.
Allerdings ist der Kopf kahl, dagegen ein Bart herausgearbeitet. Ungewöhnlich für einen Krieger greift die linke Hand an das Ende der Schwert-Scheide.
Andere Deutungen verweisen auf einen christlichen Pilger, wobei die Rückseite Christus als Triumphator darstelle. Es finden sich aber keine christlichen Beigaben und keine christlichen Abzeichen auf dem Grabstein.
Eine sehr ausgefallene Interpretation () deutet die Person als Bonifatius, der schützend das Evangeliar über einen Kopf hält und mit der linken Hand das Schwert abwehrt. Auf der anderen Seite wäre dann sein Mörder dargestellt. Die Erinnerung an diese unheilvolle Tat wurde dann rasch vergraben.
Bei diesem so ausgefallenen Bildstein liegt es nahe, an eine Fälschung des 19.Jh. zu denken.

Römische Amphore

Amphore mit relativ breiter Mündung und zwei
eng anliegenden Henkeln.
Birnenförmiger Gefäßkörper und langer Dorn.

Römische (frühfränkische?) Tonkrüge

Zweihenklige, bauchige Krüge mit unterschiedlichen Halslängen und Henkelgrößen, mit Rillen und Bändern verziert.




Steinreliefs aus der Abtei Brauweiler

Köln, 3.Viertel des 11.Jh.

a) segnender Christus: Christus ist als Halbfigur
(bzw. Dreiviertelfigur) sitzend dargestellt. Die
rechte Hand ist zu einer segnenden Geste erhoben,
die linke Hand hält ein Buch mit den griechischen
Großbuchstaben Alpha und Omega. Der Nimbus
ist mit einem Kreuz versehen. Das Kreuz, die Buch-
staben und die Augen waren wohl ursprünglich aus
Blei.

b)zwei Cherubim als vollständige Figuren. Auch
hier wohl die Augen ursprünglich aus Blei.

c)Apostel, Wie Christus als Dreiviertelfigur mit Nim-
bus, segnender Geste (Hand teilweise beschädigt) und
Buch (ohne erkennbare Aufschrift) in der linken Hand.
Wie bei den Cherubim der untere Teil aus einem zwei-
ten Steinblock.
Wohl alle ursprünglich von der Westfassade der Abtei-
kirche. Dazu gehören noch die Abbildung eines „Lamm
Gottes“ in einer Arkade und weitere Apostelreliefs und
Christusdarstellungen an den Seiten des Mittelturms.

Quelle: Rhein und Maas. Kunst und Kultur 800-1400.
Köln 1972, S.199

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Tierkreiszeichen aus der Abtei Brauweiler

An den Seitentürmen befanden sich 12 Tierkreiszeichen (Sternbilder). Sie sind zwischen 1065 und 1084 im Stil der Frühromanik entstanden. Sie zeigen gelegentlich eine erstaunliche Beherrschung komplizierter Bewegungen, auch in die Tiefe der Figur (Wassermann).
Die sechs Tierkreisbilder vom südlichen Nebenturm sind mit Ausnahme des Sternbildes der Jungfrau verloren gegangen. (Dies befindet sich heute im Schnütgen-Museum). Die anderen sechs sind erhalten: Wassermann, Fische, Widder, Stier, Zwillinge und Krebs (und befinden sich heute im Rh. Landesmuseum Bonn).

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Christliche Grabstele

Grabstele aus Niedermendiger Basaltlava, die in Moselkern/Cochem-Zell gefunden wurde. Eine Seite zeigt im oberen Teil eine Relieffigur, die vermutlich den gekreuzigten Christus darstellt. Datiert wird die Figur um 700 - damit wäre es die älteste bekannte Darstellung des Gekreuzigten nördlich der Alpen. (Vielen Dank an Herrn Wolfgang Drösser für die Zuordnung und Informationen über die Stele.)




Passionskreuz aus Brühl-Eckdorf

Um 1600
Holzkreuz ohne Corpus als sog. Passionskreuz
gearbeitet, in dem die Leidenswerkzeuge Jesu
bei seiner Folterung (auch als „arma Christi“
bezeichnet) in das Holz eingraviert sind.
Als Wegekreuz besonders in schwierigen Zeiten
(Kriege, Epidemien) aufgestellt.

Stadtwappen von Brühl

Das Stadtwappen hat seinen Ursprung in dem seit 1318 nachgewiesenen Schöffensiegel und zeigt auf goldenem Grund über einem silbernen Schild mit dem schwarzen Kurkölner Stiftskreuz den heiligen Petrus in blauem Mantel, in der rechten Hand zwei blaue Schlüssel, in der linken Hand ein rotes, silberbeschlagenes Evangelienbuch haltend. Das Kurkölner Stiftskreuz geht auf die Herrschaft des Kölner Erzbischofs zurück, Petrus ist als Schutzpatron des Kölner Erzstiftes dargestellt. Diese Darstellung ist von sieben Schöffenköpfen, die einwärts gekehrt sind, umrahmt, wobei drei Köpfe links und vier rechts liegen.

Römischer Steinsarkophag, 4.Jh. n. C.

gefunden in Kierberg 1884 beim Bau eines Hauses